Wenn aus einer Idee ein Ort wird - Ein erstes Jahr Topfmarkt 6

Ein Mitgliedsbeitrag von Susann Seifert

 

Manchmal beginnt Veränderung nicht mit einem großen Plan, sondern mit einer Handvoll Menschen, die sagen: Wir machen das jetzt einfach.

 

So ähnlich hat auch die Geschichte des Hauses am Topfmarkt 6 begonnen.

Am 7. März 2025 gründeten elf Menschen einen Verein, der sich genau das vorgenommen hat: ein historisches Haus in der Altenburger Innenstadt wieder mit Leben zu füllen. Ein Ort, der nicht nur saniert wird, sondern zu einem Treffpunkt werden soll. Für Begegnung, Ideen und gemeinsames Engagement. 

Wenn man heute auf das erste Jahr schaut, wird klar: Es ist erstaunlich, wie viel passieren kann, wenn Menschen Verantwortung übernehmen und sich zusammentun.

 

Ein Haus, ein Wagnis und viel Vertrauen

Der Kaufvertrag für das Gebäude wurde bereits Ende März unterschrieben. Möglich wurde das nur, weil zwei Vorstandsmitglieder den Mut hatten, dem jungen Verein finanziell unter die Arme zu greifen.

Sie stellten dem Verein ein Darlehen zur Verfügung, obwohl zu diesem Zeitpunkt noch kein Eigenkapital vorhanden war. Ohne dieses Vertrauen hätte der Verein das Gebäude vermutlich nicht erwerben können.

 

Seit August 2025 steht es nun offiziell im Grundbuch: Der Verein ist Eigentümer. Und damit beginnt eigentlich erst die spannende Phase.

 

Was hinter alten Wänden steckt

Als die Mitglieder zum ersten Mal gemeinsam durch das Gebäude gingen, überwog die Neugier.

Was steckt hinter den Wänden?

Was hat das Haus in all den Jahren erlebt?

Was lässt sich hier neu entstehen?

 

Die Bausubstanz überraschte positiv. Und je mehr freigelegt wurde, desto deutlicher zeigte sich: Dieses Haus hat Geschichte und Potenzial. Gemeinsam wurde geräumt, sortiert, erkundet. Unterstützt durch den bisherigen Eigentümer konnten erste Räume nutzbar gemacht werden.

 

Arbeitseinsätze folgten.

Viele Hände, viel Staub, viele Ideen.

 

Organisiert wurde vieles ganz pragmatisch: über eine WhatsApp-Gruppe, über kurze Abstimmungen, über Menschen, die einfach anpacken.

 

So entsteht Gemeinschaft.

 

Vom Plan zur Umsetzung

Parallel begannen die strategischen Fragen: Was soll aus dem Haus werden? Welche Fördermittel sind möglich? Wie finden wir Unterstützer? Wie machen wir unser Projekt sichtbar?

 

Planungsunterlagen wurden erstellt, erste Maßnahmen definiert.

 

Die erste konkrete Umsetzung:

eine öffentlich nutzbare, barrierearme Toilette im Erdgeschoss. Ein kleines Projekt, aber ein wichtiger Schritt.

Finanziert über das Regionalbudget und eine Vorfinanzierung aus dem persönlichen Engagement eines Vorstandsmitglieds.

 

Auch das gehört zur Realität solcher Projekte:

Ohne Menschen, die bereit sind, ins Risiko zu gehen, würde vieles gar nicht erst beginnen.

 

Unterstützung kommt, wenn Engagement sichtbar wird

Mit der Zeit kamen weitere Unterstützer hinzu und erste Spenden gingen ein. Von der Sparkasse Altenburger Land sowie Freunden des Vereins. Und auch von außen gab es Rückenwind: Die Schöpflin Stiftung stellte eine Spende von 5.000 Euro bereit.

 

Mit diesem Geld konnte ein weiterer wichtiger Schritt finanziert werden: Brandschutzkonzept und Genehmigungsplanung für das Gebäude.

 

Denn wer ein Haus retten will, muss nicht nur Visionen haben, sondern auch Bauordnungen, Förderprogramme und Genehmigungsverfahren verstehen.

 

Ein besonderer Moment: Tag des offenen Denkmals

Der erste öffentliche Auftritt des Projektes war der Tag des offenen Denkmals im September.

Die Baustelle wurde geöffnet.

 

Viele Mitglieder und auch Menschen, die gar nicht im Verein sind, halfen mit:

  • Räume wurden vorbereitet
  • Flyer gedruckt
  • Bänke organisiert
  • Kuchen gebacken

Und dann gingen die Türen auf. In nur vier Stunden führten die Initiatoren über 450 Besucherinnen und Besucher durch das Haus.

Viele waren neugierig. Viele überrascht. Viele begeistert.

 

Am Ende standen 320 Euro Spenden, viele Gespräche und ein starkes Gefühl: Dieses Projekt interessiert die Stadt.

 

Ein Verein wächst

Im Laufe des Jahres ist auch der Verein gewachsen. Aus den ursprünglich elf Gründungsmitgliedern wurden 16 Mitglieder. Elf Frauen und fünf Männer. Die Altersstruktur reicht von Jahrgang 1950 bis 1986.

 

Sie alle verbindet die gleiche Idee: Dass Orte entstehen können, wenn Menschen anfangen, Verantwortung zu übernehmen.

 

Und wie geht es weiter?

Die Planungen für die kommenden Jahre laufen bereits. Geplant sind unter anderem:

  • eine temporäre Begrünung des Topfmarktes im Sommer 2026
  • Fundraising für den weiteren Ausbau des Gebäudes

Kooperationen mit anderen Vereinen

Und vielleicht genauso wichtig: Gemeinsame Treffen im Winter. Mit Tee, Glühwein, Stollen und Gesprächen.

Denn Vereine bestehen nicht nur aus Projekten, Fördermitteln und Bauplänen. Sie bestehen aus Beziehungen.

 

Warum solche Projekte wichtig sind

Ich finde solche Geschichten bemerkenswert. Nicht, weil alles perfekt läuft. Sondern weil Menschen anfangen.

Weil sie Verantwortung übernehmen. Weil sie Räume schaffen. Weil sie nicht darauf warten, dass irgendjemand anders es macht.

Stadtentwicklung beginnt oft genau so: mit einer Idee, einem Ort und Menschen, die sagen:

„Wir machen es einfach.“

 

Ich bin gespannt, wie sich der Topfmarkt weiterentwickelt.

Solche Orte braucht jede Stadt.